Freimaurerei und Anarchismus – das klingt nach Ordnung gegen Chaos. Doch historisch und ideell sind beide oft eng verknüpft. Dieser Vortrag beleuchtet überraschende Allianzen: vom „philosophischen Anarchismus“ bei Lessing und dem frühen Fichte, über die einflussreichen katalanischen Anarcho-Syndikalisten, bis zum freimaurerischen Humoristen Léo Campion. Entdecken Sie, wie bürgerliche Logen und radikale Libertäre im gemeinsamen Streben nach Freiheit zusammenfanden.

Freimaurerei und Anarchismus – auf den ersten Blick wirken diese beiden Welten wie Feuer und Wasser. Hier die diskrete Loge mit ihren bürgerlichen Traditionen, Ritualen und Hierarchien; dort die rebellische, oft lautstarke Bewegung, die jede Herrschaft ablehnt und die schwarze Fahne als Symbol des Widerstands hisst.
Doch der Schein trügt. Wer genauer hinsieht, erkennt, dass die Verbindung zwischen dem „Bruder“ mit dem Schurz und dem „Genossen“ auf der Barrikade weit mehr ist als ein intellektuelles Gedankenspiel für Bewohner des Elfenbeinturms. Dieser Vortrag beleuchtet eine historisch belegbare und faszinierende Wahlverwandtschaft zweier Strömungen, die im Kern dasselbe anstreben: die absolute Freiheit und Würde des Individuums.
Wir spannen den Bogen von der deutschen Aufklärung, wo Freimaurer wie Gotthold Ephraim Lessing und der frühe Johann Gottlieb Fichte bereits einen „philosophischen Anarchismus“ vordenken – die Vision einer Gesellschaft, die so sittlich gereift ist, dass sie keinen Staat mehr benötigt.
Der Blick richtet sich auch auf die harte Realität des katalanischen Anarcho-Syndikalismus. Es wird gezeigt, wie tief die personellen Verflechtungen waren und dass und wieso viele einflussreiche Gründungspersönlichkeiten der spanischen Arbeiterbewegung zugleich Freimaurer waren.
Abgerundet wird diese Spurensuche durch die schillernde Figur des Léo Campion. Der belgisch-französische Chansonnier, Humorist und Freimaurer brachte das scheinbare Paradoxon in seinem Leben und Wirken auf den Punkt. Mit Witz und Scharfsinn bewies er, dass sich Winkelmaß und Zirkel keineswegs mit den Idealen des Anarchismus beißen müssen.
Erfahren Sie, warum diese ungleichen Brüder oft Seite an Seite kämpften, aber auch, welche Kritik es von Anarchisten an der Freimaurerei gab.
Datum: Dienstag, 24. Februar 2026, 20 Uhr
Referent: Dieter Ney M.A., Vorstand der Akademie forum masonicum e.V.
Anmeldungen per e-mail an sekretaer@akademie-forum-masonicum.de