Angst – Schlüsselemotion der Gegenwart

Akademietagung in Berlin, Samstag, den 12. November 2016

Zum Thema

Die Angst ist ein Gefühl, das wohl so alt ist wie die Menschheit. Dennoch, das was wir heute unter Angst verstehen, hat eine erstaunlich kurze Kulturgeschichte. Glaubt man dem Kulturphilosophen Hartmut Böhme, dann sollte man ihren Beginn erst im 18. Jahrhundert ansetzen, mit dem Beginn also jener Ausprägung der Moderne, die weite Teile unserer Zeit noch prägt. Erst die Philosophen seit dieser Zeit – allen voran Søren Kierkegaard – entreißen den Begriff der Angst seiner Randständigkeit und rücken ihn gar in das Zentrum ihrer Überlegungen. Zu gleicher Zeit macht Sigmund Freud ihn zu einem Zentralbegriff seiner Psychoanalyse. An Schärfe hat der Begriff seit dieser Zeit nichts verloren, wohl aber, so scheint es, an seiner Reflektiertheit, denn er ist wohl eher in aller Munde, als dass er Gegenstand des Nachdenkens ist. In einer Gesellschaft, die der Soziologe Ulrich Beck schon vor einiger Zeit als eine solche des Risikos gekennzeichnet hat, erstaunt der inflationäre Gebrauch des Wortes in den Medien kaum, dennoch ist er in einer Weise weiter angeschwollen, wie es sich Beck 1986, dem Erscheinungs-jahr seiner „Risikogesellschaft“, wohl nicht hat vorstellen können, schien doch weltpolitisch mit dem Fall der Mauer die im Kalten Krieg begründete Angst ihren Sinn verloren und der westlich demokratisch-kapitalistische Lebensstil seinen Triumph erlangt zu haben. Doch an die Stelle der ganz großen, Angst erzeugenden Konfrontation treten in der Gegenwart andere, dezen-trale Konflikte, die zwar nicht mehr gleich die Existenz der ganzen Welt infrage stellen, dafür aber unserer Gesellschaft und gelegentlich dem Einzelnen viel näher kommen.

Die diesjährige Jahrestagung der Akademie forum masonicum e.V. will sich dem Thema der Angst über drei Perspektiven annähern. Der Philosoph Günter Seubold wird die kulturphilosophisch entscheidenden Etappen der Begriffsbildung vermitteln, der Sozialforscher Günther Ogris widmet sich der Angst als Emotion in der Politik und der Sicherheitsberater Peter Roell erläutert die realen politischen Bedrohungs-szenarien, auf die wir gesellschaftlich emotional mit Angst reagieren.

Programm

10:00
Begrüßung durch Dieter Ney, Vorstandsvorsitzender der Akademie forum masonicum e.V.

10:30
Vortrag von Professor Dr. Günter Seubold (Bonn/Alfter)
„Weiß man, wovor man sich ängstigt? Philosophisch-kulturgeschichtliche Betrachtungen“

14:30
Vortrag von Günther Ogris, M.A. (Wien)
„Sorge, Unsicherheit und Angst, Zuversicht, Hoffnung und Euphorie. Emotionen in der Politik“

16:30
Vortrag von Dr. Peter Roell (Berlin)
“Die terroristische Bedrohungslage – Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft”

Die Referenten

Professor Dr. Günter Seubold
lehrt Philosophie und Kunsttheorie an der staatlich anerkannten Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter/Bonn, Autor zahlreicher Publikationen zur Philosophie Heideggers, zur Ästhetik und zur Phänomenologie.

Günther Ogris, M.A.
ist Sozialforscher, Universitätsratsvorsitzender der Sig-mund Freud Universität (Wien) und wissenschaftlicher Leiter des privaten SORA Institute for Social Science and Consulting in Wien, für das er zahlreiche österreichische und internationale Projekte in der angewandten Sozialforschung und Politikberatung durchgeführt hat.

Dr. Peter Roell
ist Sinologe, Politikwissenschaftler und seit 2006 Präsi-dent des Instituts für Strategie-, Politik-, Sicherheits- und Wirtschaftsberatung (ISPSW) in Berlin. Zuvor war er Senior Advisor für Außen- und Sicherheitspolitik an der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der EU in Brüssel. In Deutschland leitete Dr. Roell das Referat Asien-Pazifik, Lateinamerika und Afrika (Subsahara) und war an deutschen Botschaften im Nahen und Mittleren Osten sowie in Asien tätig. Er ist Ancien des NATO Defense College in Rom und der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) in Berlin.

Praktische Informationen
Veranstaltungsort: Logenhaus der Großen National-Mutterloge “Zu den drei Weltkugeln”, Heerstr. 28, Berlin-Charlottenburg

Flyer zur Veranstaltung