Susanne Balazs: Le Droit Humain, eine freimaurerische Organisation für Männer und Frauen

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Stile des Freimaurerischen – Vielfalt und Einheit der Freimaurerei (2017). Jahrestagung der Akademie forum masonicum e.V. in Berlin, Samstag, den 11. November 2017

Le Droit Humain, eine freimaurerische Organisation für Männer und Frauen – was bedeutet das für die freimaurerische Idee und für den freimaurerischen Alltag in den Logen?

In diesem Jahr feiert die Freimaurerei ihren 300. Geburtstag. Die Zeitrechnung beginnt zu Gründung der Großloge von London und Westminster 1717 zu ticken obwohl die nachweisbaren Wurzeln bis in das 16. Jahrhundert zurück reichen. Doch auf diesen Zeitpunkt datiert sich der Auftakt für eine weltweite geistige Bewegung, welche Moral, Ethik und Kultur beeinflussen vermochte. Sie blieb über fast zweihundert Jahre eine rein männliche Domäne. Werte, wie Toleranz, Humanität und Menschenliebe sind wohl Grundsäulen der Freimaurerei, doch blieb etwa fünfzig der Menschheit davon ausgeschlossen. Frauen blieben in den Logen unerwünscht.

Wenn man die Frage stellt, ob dies auch heute noch der Fall sei, kommt die Antwort darauf an, wen man gefragt hat. Ist das z.B. die Vereinigte Großloge von England, wird die Antwort „ja“ heißen, Freimaurer seien ausschließlich Männer. Gemischte Logen, also Logen in denen Männer und Frauen Mitglieder sind, seien nicht regulär.

Erst langsam begann sich diese Situation zu ändern, erst mit der immer größer und stärker werdenden feministischen Bewegungen des 19. Jahrhunderts, vor allem in Frankreich. Erst 1893 war es soweit, dass Le Droit Humain, ein Freimaurerorden für Männer und Frauen, in Paris gegründet werden konnte. Die neuen Ideen einer sogenannten „gemischten Freimaurerei“ haben weltweit ein Echo gefunden; es kam recht bald, noch vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges,  von Frankreich aus zur Ausbreitung des Ordens in andere Länder Europas und dann auf andere Kontinente. Über diese Organisation will ich heute berichten, wo ich seit 1979, also seit 38 Jahren Mitglied bin.

Die großen Persönlichkeiten die Le Droit Humain gegründet haben, waren (selbstverständlich eine Frau und ein Mann) Maria Deraismes und Georges Martin – es ist wichtig sich ein wenig mit ihren Persönlichkeiten auseinander zu setzen, denn nur in Kenntnis ihrer Lebensgeschichte versteht man die wesentlichen Züge der Organisation heute.

Maria Deraismes, eine für ihre Zeit außerordentlich gebildete Frau aus der aufstrebenden, erfolgreichen französischen Mittelschicht, war ein Leben lang Kämpferin für Rechte der Frauen und für die Rechte der Kinder, Kämpferin für eine gerechtere Gesellschaft und für die Trennung von Kirche und Staat. Durch ihre Reden und Publikationen war sie eine berühmte und gefeierte Person der Gesellschaft ihrer Zeit.

Sie ist ein Jahr nach der Gründung des Le Droit Humain verstorben. Somit konnte sie zum Auf-und Ausbau dieser neuen Obödienz durch ihren geistigen Nachlass sehr viel, doch in der Praxis nur wenig beitragen.

George Martin, oder mit seinem vollen Namen Marie Hippolyte Georges Martin, war Arzt in Paris. Man nannte ihn den Arzt der armen Leute. Er engagierte sich immer für die Entrechteten. Deshalb wechselte er nach zehn Jahren medizinischer Tätigkeit in die Politik, um dort mit seinen Aktivitäten für eine gerechtere Gesellschaft zu kämpfen.

Als 1893, also vor fast 125 Jahren, Le Droit Humain gegründet wurde, geschah es mit dem Vorhaben – ich zitiere Georges Martin – „einen Masonischen Tempel zu gründen, welcher auf freiem Denken, Moral, Solidarität und soziale Gerechtigkeit ruht“.

Le Droit Humain wurde also von Anfang an von Ideen der Aufklärung getragen, und die drei Schlagwörter der Französischen Revolution erklingen noch heute am Ende jeder Arbeit in den Logen, nämlich Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

George Martin, in eine wohlhabende bürgerliche Familie geboren, verstarb während des Ersten Weltkrieges als armer Mann. Er investierte mit seiner Frau das gesamte Familienvermögen in den Bau des zentralen Gebäudes des Le Droit Humain in Paris. Es ist noch heute ein beeindruckendes Gebäude im ägyptischen Stil, wie es an der Jahrhundertwende in Europa hoch modisch war. Dies war ein beispielloser persönlicher Einsatz für die Etablierung des Ordens und seiner Ideen. In die Fassade ist ein beachtenswerter Satz eingemeißelt, auf Entfernung gut lesbar: „ In der Menschheit hat die Frau die gleichen Aufgaben wie der Mann, sie soll die gleichen Rechte in der Familie und in der Gesellschaft haben.“ Dies war und ist eine Grundidee, ein Programm und ein Unterscheidungsmerkmal zu den rein männlichen Logen.

An diesem Punkt möchte ich kurz stehen bleiben. Das heutige Programm legt seinen Schwerpunkt auf die Vielfalt und gleichzeitig auf die Einheit der Freimaurerei. Wenn ich die gravierende Differenz für eine kurze Weile außer Acht lasse, nämlich die gleichwertige Mitbeteiligung der Frauen und Männer an den Arbeiten in unseren Logen, bleibt die Frage offen, wie weit Differenzen bzw. Überschneidungen in der Form und in den Inhalten mit anderen freimaurerischen Organisationen zu finden sind? Diese Frage ergibt sofort die nächste: Wer sind die so genannten Anderen?

Die heutige freimaurerische Welt ist sehr weit aufgefächert. Fragen wir, woher rekrutieren sich die Mitglieder, ist die naheliegendste Antwort: Es gibt rein männliche, rein weibliche und gemischtgeschlechtliche Organisationen. Diese Einteilung macht die Antwort aber auch nicht einfacher, denn diese drei Gruppen zerfallen in weitere Untergruppen: einerseits je nach verwendeten Rituale, die sie bei ihren Arbeiten verwenden, aber auch je nach Systeme, die ihre Struktur bestimmen. Sind sie Hochgradsysteme, und wenn ja, welche, oder beharren sie z.B. im Schröderschen System, in dem sie ausschließlich drei Grade bearbeiten.

Ich möchte mich in diese Fragen erst gar nicht verirren. Ich möchte vielmehr jene Ordinaten angeben, welche für unsere Arbeit charakteristisch sind. Sprechen wir am einfachsten über Form und Inhalt der Arbeitsweise des Internationalen Freimaurerordens für Männer und Frauen Le Droit Humain. Wir werden im Weiteren sehen, dass diese zwei Komponenten sich gegenseitig beeinflussen.

Georges Martin als Präsident der 1880 gegründeten Symbolischen Schottischen Großloge und sein Nachfolger in diesem Amt, ließen grundsätzlich nach den Alten und Angenommenen Schottischen Ritus arbeiten, welcher die Struktur der Obödienz vorgab. Dieser Ritus legt fest, dass wir die beinhalteten 33 Grade in ihrer initiatorischen Abfolge bearbeiten. Dieser letzte Satz dürfte für Nicht-Freimaurer eher chinesisch klingen. Ich versuche mich verständlicher auszudrücken. In den Zünften der mittelalterlichen aber auch späteren europäischen Handwerkerordnung war das Erlernen des Handwerks auf drei aufeinanderfolgenden Stufen aufgebaut, auf die Stufen des Lehrlings, des Gesellen und schließlich des Meisters. Was bedeutet das in der Praxis? Dies war und ist die Strukturierung eines Lernprozesses. Diese Ausbildungsstruktur hat die Freimaurerei von den Dombauern übernommen. Man nennt die Logen, welche in diesen ersten drei Graden das freimaurerische Wissen Stufe für Stufe ihren Mitgliedern mitteilen, die so genannten blauen oder symbolischen Logen. Die Aufnahme in die aufeinander folgenden nächsthöheren Stufen nennt man Einweihung oder Initiation; das Wandern von Grad zu Grad nennt man den initiatorischen Weg. Wir also bearbeiten, wie zuvor gesagt, die 33 Grade in ihrer initiatorischen Abfolge.

Der Meister hat vieles erfahren, er oder sie ist ein kompletter Freimaurer, doch kein vollkommener, wie Georges Martin es ausgedrückt hat; zu diesem wird man erst durch Erlernen der Inhalte in den folgenden Graden, die in Gegensatz zu ihrem üblichen Namen keine Hochgrade, sondern vielmehr philosophische oder Vertiefungsgrade sind. Diese teilen sich in vier, nacheinander geschalteten Logen. Dieses System wurde im 18. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten erarbeitet und verbreitete sich von dort nach Europa. Unserem Freimaurerorden, der also wie gesagt auf den Alten Angenommenen Schottischen Ritus basiert, steht ein gewählter Oberste Rat und dessen Vorsitzende, der Großmeister, vor.

Die weiteren Gesichtspunkte ergeben sich aus den vier grundlegenden tragenden Säulen, die einerseits die spezifischen Eigenheiten des Le Droit Humain skizzieren, andererseits auch eine Übereinstimmung mit allgemeinen Freimaurerischen Inhalten zeigen, welche unser aller Anliegen sind.

Was sind diese vier tragenden Prinzipien? Kurz aufgezählt:
1. die Gleichheit von Männern und Frauen
2. die Internationalität
3. die Laizität
4. und die Durchgängigkeit der Stufen für jeden Einzelnen vom ersten bis zum 33. Grad

Das erste Prinzip, wie bereits gesagt, ist die Gleichheit von Mann und Frau – ist die Begegnung auf Augenhöhe, der Respekt im Umgang miteinander innerhalb der Loge, in der gesamten Organisation und draußen in der Welt. Vom Standpunkt der Organisation hat das seinen Niederschlag in der Aufgabenteilung. Männer und Frauen wechseln in den Ämtern, sie lösen einander ab, egal um welches Amt es geht, vom Großmeister des Ordens bis zum einfachsten Amt in der Loge. Man soll die Verantwortung mit gleichem Einsatz, mit gleichem Ernst tragen. Bestimmung von Inhalte des täglichen Logenlebens, Stimmung und Atmosphäre in der Loge, Art und Gestaltung der Diskussionen, dies alles ist, wenn beide Geschlechter gleichberechtigt daran arbeiten, runder und inhaltsvoller.

Schaut man die Verteilung aller freimaurerischen Organisationen an, so sind die gemischtgeschlechtlichen Gruppen sicher in Vergleich zu der rein männlichen Freimaurerei in der Minderzahl, doch dieses Verhältnis ändert sich allmählich. Als bestes Beispiel dafür kann z.B. die einst rein männliche Organisation des Grand Orient de France erwähnt werden. Sie nehmen seit einigen Jahren nicht nur Männer, sondern auch Frauen in ihre Reihen auf und dies freilich weltweit.

Aus Le Droit Humain sind verschiedene andere freimaurerische Gruppierungen hervorgegangen, die ebenfalls, wie wir, Männer und Frauen in ihren Logen einweihen. Unter anderem ist das die Großloge Humanitas, die ihre Zentrale hier in Deutschland hat. In Österreich gibt es mit uns, dem DH, zusammen fünf sogenannte liberale Freimaurerorganisationen, die miteinander freundschaftliche Kontakte pflegen, ihre Arbeiten gegenseitig besuchen und einmal im Jahr eine gemeinsame rituelle Arbeit veranstalten. Es sind die Großloge Humanitas Austria, die Liberale Großloge von Österreich, der Grossorient von Österreich und der Universale Freimaurerorden Hermetica.

Es bereitet keine Probleme, dass wir fünf in so manchen philosophishen Fragen verschiedener Meinung sind und dass wir verschiedene Rituale verwenden. In abwechselnder Reihenfolge passen wir uns dem jeweiligen Gastgeber an. Die Stimmung ist bei diesen gemeinsamen Arbeiten immer erhebend und das Gefühl der Zusammengehörigkeit beflügelt uns. Da hört man immer wieder den Satz: „es gibt nur eine Freimaurerei“.

Der zweite Schwerpunkt, die Internationalität, ist ein Ausdruck dafür, dass wir eine internationale Organisation sind, welche auf allen Erdteilen in über 60 Ländern repräsentiert ist. Jeder freie Mensch von gutem Ruf kann Mitglied werden, kann eingeweiht werden unabhängig von seiner/ihrer ethnischen Herkunft, Nationalität, Hautfarbe, Glaube oder Nicht-Glaube. Wir haben international gesehen 30.000 Mitglieder.

Das Gesetzeswerk, welches unser Zusammenleben reguliert, die internationale Konstitution, repräsentiert diese Vielfalt und Einheit zugleich. Ihre Paragraphen, bis sie zum Gesetz werden, sollen allen Logen aller Kontinente zur Diskussion gestellt werden. Man stelle sich vor, die Diskussion rollt von Schweden bis Süd-Afrika, von den Vereinigten Staaten über Europa bis Australien. Erst wenn von den Logen aufwärts alle nationalen Ebenen durchgelaufen sind und ein Konsens auf lokaler Ebene hergestellt wurde, werden die Vorschläge dem Internationalen Konvent zur Abstimmung vorgelegt. Dort, nach weiterer eingehender Diskussion, wird über die Vorschläge abgestimmt. Ein – eben – internationaler Konsens muss vorherrschen, bis ein neues Gesetzt angenommen wird oder ein altes der Entwicklung der Gesellschaft angepasst werden kann. Diese Vorgehensweise ist ein Garant der Internationalität. Die Internationale Konstitution bekommt bei uns in Österreich jeder Lehrling bereits bei der Aufnahme in die Hand.

Der Begriff der Laizität bringt zum Ausdruck, dass Le Droit Humain keiner Religionsgemeinschaft unterstellt ist. Der Orden betont die Unabhängigkeit von allen religiösen Einrichtungen, Organisationen und Glaubensrichtungen. Dies bedeutet auch, dass der Glaube an eine höhere Macht oder höheren Wesen keineswegs eine Voraussetzung für die Aufnahme ist. Die Religiosität oder Nicht-Religiosität wird als die private Angelegenheit einer jeden freien Person betrachtet. Erst die geistige Freiheit eines Jeden und Jeder erlaubt die freimaurerischen Ziele zu befolgen.

Was bedeutet das für das Logenleben in der täglichen Praxis? Ob die Bibel ein Teil des Rituals ist oder eben nicht, entscheidet jede Loge für sich selbst. Als Ausdruck aller menschlichen Weisheit kann ein weisses, also nicht bedrucktes Buch verwendet werden. Jedenfalls muß die Internationale Konstitution bei den Arbeiten aufliegen.

An dieser Stelle soll unbedingt erwähnt werden, dass der Einfluss der Theosophie durch viele Jahrzehnte die Arbeiten des Droit Humain bestimmte. Diese Richtung wurde durch die Engländerin Anni Besant intensiv gefördert – im Gegensatz zu der frankophonen absolut laizistischen Einstellung. Die heutige Situation ist dadurch gekennzeichnet, dass in England, in den Skandinavischen Ländern und in Island die theosophische Richtung noch heute vorherrscht.

Was Ziele unseres Ordens sind, lernen wir vom ersten bis zum 33. Grad. Womit wir beim vierten Punkt in der Aufzählung der Grundelemente des Le Droit Humain angelangt sind. Es gibt in unserem Orden keine organisatorische Trennung zwischen den symbolischen Logen und den sogenannten Hochgradlogen, wie es z.B. in der Großloge von Österreich der Fall ist. Die Möglichkeit der initiatorischen Entwicklung vom ersten bis zum 33. Grad innerhalb der Organisation steht jedem Mitglied frei. Der Orden versteht sich mit der Durchgängigkeit der 33 Grade als eine Einheit. Das Fortschreiten am initiatorischen Weg von Grad zu Grad entspricht einer persönlichen geistigen Entwicklung. Es ist der Weg zum Erwerb und Verständnis freimaurerischer Inhalte. Es ist ein Lehrgang mit aufeinander folgenden Stufen der Schulung über die Conditio Humana.

Unsere Konstitution fasst die vier aufgezählten Prinzipien sehr schön mit folgenden Worten zusammen:

Zusammengesetzt aus Freimaurerinnen und Freimaurern geschwisterlich vereint, ohne Unterschied nach sozialer, ethnischer, philosophischer oder religiöser Herkunft, wendet der Orden …eine rituelle und symbolische Arbeitsmethode an, mit deren Hilfe die Mitglieder ihren Tempel zum Fortschritt und zur Vervollkommnung der Menschheit erbauen. Getreu dem Laizitätsprinzip und dem Respekt gegenüber der absoluten geistigen Freiheit jedes Einzelnen, arbeiten die Mitglieder des Ordens an der Verwirklichung der Prinzipien der Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit. Darüber hinaus trachten sie vor allem danach, ein größtmögliches Maß an moralischer, intellektueller und geistiger Entwicklung für alle Menschen zu erzielen, welches eine Grundbedingung für das Glück ist, das jedes Individuum in einer geschwisterlich organisierten Menschheit erreichen kann.“

Das Zitat führt uns von der Form und Struktur zu den Inhalten des Ordens. Hier ein kleiner Schnitt, um auf den Begriff des Ordens einzugehen. Der französische Name des Freimaurerordens für Männer und Frauen Le Droit Humain heisst: „Ordre Maçonnique Mixte International Le Droit Humain“. Es ist ein großer inhaltlicher Unterschied zwischen dem Deutschen Wort Orden und dem Französischen: Ordre. Das deutsche Wort ist mit kirchlichen oder kirchlich geführten Organisationen assoziiert, wo sehr wohl ein einheitlicher Glaube an ein höheres Wesen Voraussetzung ist und eine sehr steile Hierarchie vorherrscht. Es wird ein absoluter Gehorsam verlangt. Die Mitglieder sind entweder ausschließlich Männer oder ausschließlich Frauen. Das französische Wort hingegen legt Wert auf Ordnung, wie auch eins unserer Leitsätze, der besagt: „Ordo ab Chao.“ Aber „ordre“ in zusammengesetzten Begriffen erhält auch andere Inhalte, wie z.B. „par ordre alphabetique“ heißt: in alphabetischer Reihenfolge, oder d`ordre politique/économique heißt: politischer/wirtschaftlicher Art. Womit ich sagen möchte, weder unsere Struktur noch unsere Inhalte haben mit religiösen Einrichtungen etwas zu tun.

Was sind also Ziele des Le Droit Humain und wie sollen diese Ziele erreicht werden? Wir blicken auf eine bald 125 jährige Geschichte zurück. Seit dieser Zeit stehen Humanität, Toleranz und Menschenliebe im Kern unserer Bemühungen. Dies vereint uns mit allen anderen freimaurerischen Organisationen. Auch das Streben nach Selbsterkenntnis, das Zugehen auf den Anderen und die Arbeit in der Gemeinschaft sowie der Weg zur Selbstveredelung sind zentrale Aufgaben in unseren Logen. Dies sind alles allgemein gültige freimaurerische Positionen. Keineswegs nur für uns spezifische Haltungen. Die regelmäßig sich wiederholende Treffen in einer stetig aber langsam wachsenden Gemeinschaft, der freimaurerische Alltag und die gemeinsam begangenen Feste lehren uns immer wieder neue Aspekte des menschlichen Zusammenlebens zu meistern und zu verstehen, was uns vereint und was uns trennen kann. Wir lernen die Wichtigkeit des Teilens, die Wichtigkeit und die Selbstverständlichkeit der Wohltätigkeit, das Streben nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit.

Es heisst immer, die Freimaurer seien eine geheime Gesellschaft. Wo ist das freimaurerische Geheimnis in all dem von mir Erzählten versteckt? Habe ich etwas davon verraten? Sicher nicht! Denn das freimaurerische Geheimnis kann man nur erleben. Dieses Erlebnis ist das Geheimnis selbst. Ich möchte ihn aus meinem Leben nicht missen.

Um eine kompakte und zusammenfassende Antwort auf die anfangs gestellte Frage zu geben: was bedeutet für die freimaurerische Idee und für den freimaurerischen Alltag in den Logen die Obödienz Le Droit Humain, möchte ich abschließend Folgendes sagen: Die längst fällige Gleichstellung von Männern und Frauen in den Logen bedeutet für die Idee neue Kraft und keineswegs Einbuße, größere Ausbreitung in der Welt ohne am hohen ethischen Wert etwas zu verlieren. Im Alltag der Logenarbeit bedeutet die Erweiterung der Mitgliedschaft auf beide Geschlechter eine Aufwertung des geistigen Outputs, in dem die für das männliche und das weibliche typischen Gedankenweisen sich gegenseitig ergänzen und ein neues Ganzes bilden.

Stile der Freimaurerei. Vielfalt und Einheit der Freimaurerei

Akademietagung in Berlin, Samstag, den 11. November 2017

Zum Thema

Nach einer mehr als 300-jährigen Geschichte unterscheidet sich die Freimaurerei nicht nur von Land zu Land, sogar innerhalb eines Landes werden sehr unterschiedliche freimaurerische Stile gepflegt.

Diese Vielfalt ist nicht nur für den äußeren Beobachter unübersichtlich, sie provoziert auch innerhalb der Freimaurerei Diskussionen. Diese werden dort unangenehm, wo implizit oder explizit die Überlegenheit der eigenen Tradition des jeweiligen Diskussionsteilnehmers behauptet wird. Wie viele andere kulturelle Phänomene stand auch die Freimaurei im Spannungsfeld zwischen starrer Bewahrung der Tradition und Anpassung an die jeweilige Gegenwart, ein Spannungsfeld, das viele unterschiedliche Positionen erlaubt und sehr verschiedene historische Ausprägungen der Freimaurerei ermöglicht hat, von denen einige nur noch Forschungsgegenstand der Historiker sind.

Die aktuell gelebte Vielfalt der Freimaurerei soll im Rahmen der diesjährigen Tagung der Akademie forum masonicum zur Sprache kommen. Eine Freimaurerin und zwei Freimaurer werden in Referaten über das Profil „ihrer“ Freimaurerei sprechen. Ihr langjährige Erfahrung und ihre Arbeit in verschiedenen Institutionen der Freimaurerei ermöglichen ihnen einen Blick auf die Bedeutung der Tradition in ihrer Lehrart, auf die Notwendigkeit der Entwicklung eines ausgeprägten eigenen Profils und auf die Risiken und Chancen einer Anpassung an die aktuelle Zeit.

In den Referaten soll sowohl der historische Hintergrund, die „Philosophie“, aber auch der „Alltag“ der jeweiligen Lehrart beleuchtet werden. Im Anschluss an die Referate besteht die Möglichkeit zur Diskussion.

Programm

10:00
Begrüßung durch Dieter Ney, Vorstandsvorsitzender der Akademie forum masonicum e.V.

10:30
Vortrag von Dr. Susanne Balazs (Wien)
„Le Droit Humain, eine freimaurerische Obödienz für Männer und Frauen. Was bedeutet das für die freimaurerische Idee und für den freimaurerischen Alltag in den Logen?“ (Vortragstext)

13:30
Vortrag von Rolf Keil (Frankfurt/Main)
Wir haben Ehrfurcht vor den alten Ritualen … Der Umgang mit dem Erbe der Reformloge“

15:00
Vortrag von Eberhard Panne (Frankfurt/Main)
„Die fünf Punkte der Meisterschaft des Freimaurerordens“

Die Referenten

Dr. Susanne Balazs
ist Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, Großrednerin des Großrates der Föderation Droit Humain Österreich, Gründungsmeisterin und langjährige MvSt der Loge Helios in Wien, MvSt der Perfektionsloge des Droit Humain in Budapest.

Rolf Keil
ist Referatsleiter Arbeitsmarktpolitik im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, Altstuhlmeister der Loge Lessing (Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland) in Frankfurt/ Main, zugeordneter Distriktsmeister Hessen/Thüringen und Mitglied der Loge Friendship in Edinburgh (Großloge von Schottland).

Eberhard Panne
war langjähriger Logenmeister seiner Mutterloge „Wilhelm zur Unsterblichkeit“ (Große Landesloge von Deutschland) in Frankfurt/Main, Leiter des Frankfurter Meisterzirkels, der Provinzialloge Hessen und des Frankfurter Arbeitszirkels der Forschungsloge Quatuor Coronati; im Landesgroßbeamtenrat ist er zuständig für die Andreas-Seminare und seit 2006 ist er Mitglied im Ordensrat, dem höchsten Gremium der Großen Landesloge von Deutschland; Träger der Silbernen Paulskirchenmedaille der Vereinigten Großlogen von Deutschland.

Praktische Informationen
Veranstaltungsort: Logenhaus der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“, Heerstr. 28, Berlin-Charlottenburg

Flyer zur Veranstaltung

Tradition: Lebensquell und Würgegriff

Akademieseminar in Bonn, Samstag, den 1.7.2017

Im Jahr 2017 feiert die Freimaurerei die Gründung ihrer ersten Großloge in London vor dreihundert Jahren. Grund genug, über die Rolle der Tradition in der Freimaurerei nachzudenken, zumal sich schnell zeigt, wie komplex sie ist.

Als unbestritten darf gelten, dass sich auch die Identität der Freimaurerei über den Rekurs auf die Überlieferung gebildet hat. Überkommene Rituale und das freimaurerische Brauchtum prägen bis heute inhaltlich einen großen Teil des gemeinschaftlichen Handelns in einer Freimaurerloge.

Über diese inhaltliche Prägung hinaus nutzte man die identitätsstiftende Kraft der Tradition auch, um sich über fiktive Traditionen ideologisch aufzuwerten. So findet sich in den „Alten Pflichten“ (1723) von James Anderson eine Erzählung über die bis in die Urzeit der Menschen zurückweisenden Anfänge der Freimaurerei. Historisch hingegen kann man durchaus schon eine Kontinuität zu den mittelalterlichen Bauhütten in Frage stellen, umso mehr gilt dies für die Anknüpfung an die Templertradition, die in Ritualssystemen der so genannten „weiterführenden Grade“ oder „Hochgrade“ gepflegt wird.

Tradition schafft Gruppenidentität und der Verweis auf die Tradition/auf Traditionen dient der Legitimierung von Autorität und der Sicherung von Authentizität; darin unterscheidet sich die Freimaurerei nicht von vielen anderen gesellschaftlichen Gruppen. Interessant wird der Blick auf die Tradition in kulturgeschichtlicher Hinsicht dann, wenn man bedenkt, dass die Anfänge der institutionellen Freimaurerei in die Zeit der Neuzeit bzw. Aufklärung fallen, die mentalitätsgeschichtlich der Tradition ausgesprochen kritisch gegenüber stand, eine Haltung, die im freimaurerischen Konzept einer Arbeit an sich selbst im Sinne einer Selbstbildung einen Ausdruck findet.

Der Tradition des Akademie-Seminars folgend beleuchtet Professor Dr. Dieter Binder auch diesmal wieder die freimaurergeschichtlichen Aspekte des Themas, wohingegen Dieter Ney die Kulturgeschichte des Begriffes Tradition thematisiert.

Eine ausführliche Beschreibung sowie praktische Hinweise und ein Anmeldeformular finden Sie auf dem Flyer, der hier zum Download bereitliegt. Sie können sich natürlich auch mit einer eMail für die Veranstaltung anmelden (info@akademie-forum-masonicum.de).

Vorträge mit anschließender Diskussion:

  • Dieter Ney (Reykjavík/Bonn)
    Tradition: Quelle oder Ende des Selbst und der Gemeinschaft?
    Eine Mentalitätsgeschichte des Umgangs mit Tradition
  • Professor Dr. Dieter A. Binder (Universität Graz/Andrássy Universität Budapest):
    „The invention of tradition“
  • Dieter Ney
    Vom Nutzen und Nachteil der Tradition für die Freimaurerei. Ein Diskussionsanstoß

 

Veranstaltungsankündigung: Akademie-Seminar zum Thema „Tradition in Kulturgeschichte und Freimaurerei“

Am Samstag, den 1. Juli 2017 lädt die Akademie forum masonicum e.V. zum diesjährigen Akademie Seminar in Bonn ein. Das Thema des Seminar ist „Tradition: Lebensquell und Würgegriff. Zur Bedeutung von Tradition in Kulturgeschichte und Freimaurerei“. Dieter Ney wird einen mentalitätsgeschichtlichen Überblick über die Entwicklung und Bedeutung des Begriffs der Tradition geben, Professor Dr. Dieter Binder behandelt den Begriff der Tradition im engeren Kontext der Freimaurei. Zum Schluss behandelt Dieter Ney die praktische Bedeutung von Tradition in einer Freimaurerloge.

Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung finden Sie auf der Seminarseite (hier).

Der Flyer mit Anmeldeformular, Programm und praktischen Hinweisen zur Veranstaltung kann hier heruntergeladen werden.